Die Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) hat nach eigenen Angaben die Marke von 10.000 ausgestellten Zertifikaten erreicht. Die Zahl klingt beeindruckend, wirft aber die Frage auf: Wie viele Installateure und Fachbetriebe stehen der Branche tatsächlich zur Verfügung – und reicht die Kapazität, um die Klimaziele der Schweiz zu stemmen?

Hintergrund ist die nationale Energiestrategie: Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, den Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral zu machen. Wärmepumpen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Laut dem Gebäudeprogramm wird der Ersatz fossiler Heizungen massiv gefördert. Doch ohne ausreichend geschultes Personal droht die Umsetzung ins Stocken zu geraten.

Die 10.000 Zertifikate beziehen sich auf Schulungen und Qualifikationen, die von der FWS seit Jahren durchgeführt werden. Sie umfassen unterschiedliche Stufen – von der Grundqualifikation für Installationshelfer bis zur Spezialisierung auf Großanlagen oder Kältemittelkreisläufe. Nicht jedes Zertifikat bedeutet also, dass ein eigenständiger Betrieb für alle Wärmepumpen-Projekte gerüstet ist.

Branchenexperten warnen: Die Zahl der zertifizierten Personen sagt wenig über die reale Installationskapazität aus. Entscheidend ist, wie viele dieser Fachkräfte aktiv im Feld tätig sind und ob sie durch Weiterbildung auf dem neuesten Stand bleiben. Gerade bei der Integration von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden mit konventionellen Heizkörpern sind Planung und Heizlastberechnung anspruchsvoll.

Zudem zeigt ein Blick auf die Förderzahlen: Die Schweiz hat 2025 rund 28.000 Wärmepumpen in Wohngebäuden installiert – Tendenz steigend. Bei geschätzt 1,7 Millionen Öl- und Gasheizungen im Bestand ist klar, dass die Transformationsgeschwindigkeit deutlich anziehen muss. Ein Engpass bei qualifizierten Installateuren könnte zum Flaschenhals werden.

Die FWS selbst sieht die 10.000er-Marke als Etappenziel und betont die Notwendigkeit weiterer Schulungsoffensiven. Parallel müssen Hersteller wie Hoval, Stiebel Eltron oder Viessmann ihre Produkte stärker auf einfache Planung und Installation trimmen, um den Fachkräftemangel abzufedern.

Fazit: Der Meilenstein ist ein positives Signal – aber kein Grund zur Entwarnung. Ohne massive Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie standardisierte Planungstools droht die Wärmewende in der Schweiz am Handwerkermangel zu scheitern. Der Wärmepumpenmarkt in Österreich steht vor ähnlichen Herausforderungen und zeigt, dass die Zertifizierungsfrage europaweit virulent ist.

Quellen