Der Markt für Lüftungstechnik in Deutschland entwickelt sich Mitte 2026 entlang klar erkennbarer Treiber: steigender Anspruch an Raumluftqualität, energetische Optimierung durch Wärmerückgewinnung und Integration in gebäudeübergreifende Smart-Building-Plattformen. Zugleich verschärfen normative Anforderungen – etwa durch DIN 1946-6 und die Energieeffizienz-Richtlinie der EU – den Druck auf Planer und Fachhandwerk, dezentrale und zentrale Lüftungskonzepte neu zu bewerten.
Marktentwicklung: Hybridlösungen gewinnen an Bedeutung
Im Neubau ist die kontrollierte Wohnraumlüftung längst Standard, doch die Altbausanierung holt auf. Hybride Systeme – also die Kombination aus freier Lüftung, bedarfsgeführter Abluft und mechanischer Zuluft – erzielen zunehmend Akzeptanz bei Planern und SHK-Betrieben. Der Grund: Sie erlauben eine schrittweise Nachrüstung ohne vollständige Durchdringung der Gebäudehülle. Hersteller wie Wolf und Viessmann erweitern ihre Portfolios um modular skalierbare Zentralgeräte mit Wärmetauschern in Kreuzstrom- oder Gegenstromausführung.
Die Nachfrage nach dezentralen Lüftungsgeräten mit Keramik-Regeneratoren bleibt hoch, vor allem bei Einzelraumsanierungen in Eigentumswohnungen. Zugleich steigt das Interesse an zentralen Lüftungsanlagen mit integriertem Heizregister oder Luft-Luft-Wärmepumpe – eine Kombination, die besonders in Niedrigenergiehäusern oder beim Passivhaus-Neubau wirtschaftlich attraktiv ist.
Hygiene und Filterklassen: Normative Impulse aus Pandemie-Zeit wirken nach
Die Corona-Pandemie hat Lüftung dauerhaft auf die Agenda von Bauherren und Facility-Managern gehoben. Das zeigt sich in der Nachfrage nach höheren Filterklassen (ISO ePM1 statt ePM10) und in der Verbreitung von CO₂-Sensoren zur bedarfsgeführten Regelung. Besonders im gewerblichen Segment – Büros, Schulen, Kitas – werden Lüftungskonzepte heute mit Blick auf Aerosol-Reduktion und Raumluftqualität nach Post-Pandemie-Standard ausgeschrieben.
Hersteller wie Drexel und Weiss (Website) und Stiebel Eltron (Website) haben ihre Geräte um automatische Filterwechsel-Anzeigen und hygienisch optimierte Kondensatwannen erweitert. Die Nachfrage nach zertifizierten Hygiene-Inspektionen nach VDI 6022 steigt parallel – ein Geschäftsfeld, das SHK-Betriebe zunehmend als Service-Chance erkennen.
Smarte Regelung und Gebäudeintegration
Die Anbindung von Lüftungsanlagen an übergeordnete Building-Management-Systeme oder Smart-Home-Plattformen ist kein Nischenthema mehr. Zahlreiche Geräte bieten heute native Schnittstellen zu KNX, Modbus oder BACnet, einzelne Hersteller setzen auf Cloud-basierte Fernwartung und prädiktive Wartungsalarme. Der Luftvolumenstrom wird zunehmend durch Volumenstromregler in jedem Raum individuell angepasst – ein Komfortgewinn, der zugleich Energie spart.
Besonders relevant ist die Integration mit Wärmepumpen und Flächenheizungen: Die Lüftungsanlage übernimmt in vielen Neubauten einen Teil der Heizlast und ermöglicht so kleinere Wärmepumpen-Dimensionen. Kermi (Website) und Buderus (Website) positionieren ihre Systemlösungen explizit als Kombi-Pakete aus Lüftung, Wärmepumpe und Flächenheizung.
Regulatorik: GEG 2024 und EU-Gebäuderichtlinie setzen Rahmen
Das novellierte Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024/2026) fordert für Neubauten ab 2024 einen Nachweis zur Raumluftqualität, sofern keine freie Lüftung nachgewiesen werden kann. Die EU-Gebäuderichtlinie EPBD verschärft zudem die Anforderungen an Gesamtenergieeffizienz – und damit indirekt auch an Lüftungswärmeverluste. Für Planer bedeutet das: Wärmerückgewinnung mit einem Temperatur-Wirkungsgrad von mindestens 80 Prozent wird faktisch zum Standard.
Parallel arbeitet der Normungsausschuss an einer Überarbeitung der DIN 1946-6; erwartet wird eine stärkere Berücksichtigung von Feuchteschutz und sommerlichem Wärmeschutz durch Nachtlüftung. Hersteller und Verbände bereiten sich darauf vor, dass künftig auch der sommerliche Luftvolumenstrom explizit nachgewiesen werden muss.
Ausblick: Fachkräfte und Wartung als Engpass
Der Markt wächst, doch die Umsetzung stockt vielerorts. SHK-Betriebe berichten von Personalmangel bei der Montage und Inbetriebnahme, Planungsbüros suchen händeringend nach TGA-Ingenieuren mit Lüftungs-Erfahrung. Die Wartungsintervalle für Filter und Kondensatablauf werden oft nicht eingehalten – ein Problem, das sowohl die Energieeffizienz als auch die Hygiene beeinträchtigt. Hier könnten digitale Wartungsverträge und Ferndiagnose mittelfristig Abhilfe schaffen.
Für die kommenden Monate erwarten Marktbeobachter eine weitere Konsolidierung bei Anbietern: Systemhäuser mit breitem Portfolio – von der Planung über Montage bis zur Wartung – dürften gegenüber reinen Produktlieferanten an Boden gewinnen. Die Nachfrage nach Enthalpietauschern und Sorptionsrotoren steigt, um auch Feuchte rückzugewinnen – ein Thema, das vor allem in Passivhäusern und KfW-40-Neubauten an Relevanz gewinnt.