Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA) haben mit der Richtlinie VDI/BTGA 6044 ein neues gemeinsames Regelwerk verabschiedet. Die neue Richtlinie ersetzt die bisherige BTGA-Regel 3.003 und markiert eine engere institutionelle Zusammenarbeit beider Verbände in der Normungsarbeit für die Gebäudetechnik.

Die Ablösung der BTGA-Regel 3.003 durch die VDI/BTGA 6044 betrifft vor allem Planungsbüros und ausführende Betriebe im SHK-Handwerk. Die gemeinsame Trägerschaft von VDI und BTGA soll künftig für eine breitere Abstimmung technischer Standards sorgen. Bislang galten BTGA-Regeln als Branchenstandards für die technische Gebäudeausrüstung, während VDI-Richtlinien oft als Planungsgrundlage in Ausschreibungen gefordert wurden. Die neue Doppelbezeichnung VDI/BTGA vereint beide Perspektiven.

Für die Praxis bedeutet die Richtlinie VDI/BTGA 6044 zunächst eine Anpassung in der Projektdokumentation und bei Ausschreibungstexten. Planungsbüros müssen künftig die neue Richtliniennummer referenzieren. Welche konkreten technischen Neuerungen oder Verschärfungen die VDI/BTGA 6044 gegenüber der alten BTGA-Regel 3.003 enthält, ist bislang nicht öffentlich kommuniziert. Üblich sind jedoch präzisere Vorgaben zu Heizlastberechnung, Rohrnetz-Dimensionierung oder Trinkwasserhygiene.

Ein möglicher Effekt der neuen Richtlinie betrifft die Bundesförderung Effiziente Gebäude (BEG). Die BEG verlangt bei der Antragstellung oft die Einhaltung anerkannter Regeln der Technik. Wird die VDI/BTGA 6044 künftig als solche eingestuft, könnten Fördermittelgeber sie als Mindestanforderung für geförderte Projekte festschreiben. Das würde insbesondere bei Wärmepumpen-Installationen oder Wärmerückgewinnung in Lüftungsanlagen relevant, wo technische Nachweise zur Systemauslegung gefordert sind.

Die verstärkte Kooperation zwischen VDI und BTGA zeigt sich auch in anderen Bereichen: Bereits 2023 hatte der VDI die Richtlinie VDI 2078 und VDI 6007 für Kühllastberechnungen aktualisiert. Auch dort war eine engere Abstimmung mit Branchenverbänden wie dem BTGA angestrebt worden. Die Bündelung von Normungsaktivitäten soll laut Verbandsangaben die Akzeptanz und Umsetzung technischer Regeln in der Praxis erhöhen.

Für Hersteller von Anlagentechnik wie Viessmann, Vaillant oder Bosch Thermotechnik bedeutet die neue Richtlinie möglicherweise Anpassungsbedarf in Produktdokumentationen und Planungsunterlagen. Werden in der VDI/BTGA 6044 neue Anforderungen an Systemkomponenten wie Wärmetauscher oder Volumenstromregler definiert, müssen Hersteller dies in ihren technischen Datenblättern berücksichtigen.

Die Richtlinie VDI/BTGA 6044 ist ab sofort gültig. Details zur technischen Ausgestaltung und zu möglichen Übergangsfristen sind beim VDI oder BTGA zu erfragen. Branchenkreise erwarten, dass weitere gemeinsame Richtlinien beider Verbände folgen werden, etwa zu Themen wie Smart Building oder Digitalisierung in der TGA-Planung.